Vom freien Leben und guten Sterben

Des Lebens Wert

Was geht in einem Menschen vor, der sein Leben selbst begrenzt? Der sein Höchstlebensalter selbst definiert hat und in bester Stimmung und Gesundheit auf diesen selbstbestimmten Endpunkt hinlebt? Burkhard Riedel hat sich schon jetzt für legale Sterbehilfe entschieden. Mit 85 soll es so weit sein. Bis dahin sind es noch viele Jahre, deren Kostbarkeit er jeden Tag bewusst genießt. Seit er sich entschlossen hat, dem drohenden Leiden im Alter und der fremdbestimmten, bald unbezahlbaren Pflege zuvorzukommen, spürt der Autor ein mächtiges Grundgefühl warmer Gelassenheit. Diese Gelassenheit lange vor dem assistierten Suizid würde er auch jenen verzagten Älteren wünschen, deren Furcht vor Kosten, Schmerz und Zumutungen der finalen Phase sie unnötig bedrückt.

DES LEBENS WERT ist ein aufrüttelndes Buch zu einem der letzten großen Tabus unserer Zeit: überraschend amüsant und erschütternd, kraftvoll und sensibel, analytisch und essayistisch, klug reflektierend und spannend. Rückblicke auf ein Leben in extremen Phasen nehmen die Leser*innen mit auf den Weg von der Selbstbefreiung aus harten Konflikten der frühen Jahre zur Freiheit vielfältiger Lebensoptionen, Milieus und Tätigkeiten. Aus deren Summe muss eine Resilienz erwachsen sein, die den Autor heute selbst erstaunt.

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In seinem facettenreichen Memoir entlarvt Burkhard Riedel Lübecker Lebenslügen fernab der bildungsbürgerlichen Thomas-Mann-Seligkeit, ist fasziniert von mehrfachen Identitäten, von denen er einige sogar selbst annimmt, und von gewundenen Lebensreisen. Die Spurwechsel seiner eigenen Lebensreise führen ihn um die ganze Welt, in Deutschlands armseligsten Zoo und in den Zirkus, für viele Jahre in den Dschungel Costa Ricas und in Verlage als Autor und Chefredakteur. An seiner Seite steht ein Lebensmensch, der alles mitträgt – auch den Entschluss zu einem guten, gemeinsamen Sterben.

Eine lange, langweilige Gerade durchs Leben wäre für den Autor der falsche Weg. Lieber ist er immer wieder abgebogen, zugunsten eines stets neugierigen, konsequent nicht-linearen Phasenlebens. Seine Erfahrung im aktiven Beenden von Phasen, so vermutet er, macht es ihm leichter, später auch zufrieden und dankbar das große Ganze zu beenden – das Leben selbst.

DES LEBENS WERT wird Psychotherapeuten irritieren, den Blickwinkel von Medizinern erweitern und Kirchenmenschen verstören. Den Jungen macht das Buch Mut zu einem erfahrungsreichen, freien Leben ohne die Furcht, später einmal so enden zu müssen wie vielleicht die Großmutter im Gitterbett der Pflegestation. Eine weitere Botschaft an die Jüngeren:

„Vielleicht ist es eben manchmal besser, sein Leben zu fragmentieren und damit den Druck rauszunehmen, dass alles zur selben Zeit komplett und perfekt sein soll. Aus den Einzelteilen kann dann nacheinander die Summe werden, aus den Phasen das große Ganze. Aus Puzzleplättchen das komplette Bild. Auch aus Splittern und Scherben das vollendete Mosaik.“

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Der Hintergrund

Seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2020 zur Freiheit des assistierten Suizids gilt in Deutschland eine der liberalsten Rechtsgrundlagen weltweit. Allein der Verein, der Ende 2025 den Kessler-Zwillingen beim Doppelsuizid assistierte, verzeichnete danach an einem einzigen Tag ca. 700 Neuaufnahmen. Ein Gesetz, das den Missbrauch der Freiheit ausschließen soll, hat das Verfassungsgericht angemahnt und ist jederzeit zu erwarten. Zwei Anläufe dazu sind bisher im Deutschen Bundestag gescheitert.

Die vom Bundesverfassungsgericht garantierte Freiheit des assistierten Suizids erlaubt Sterbehilfe grundsätzlich auch bei völliger Gesundheit des Sterbewilligen. Damit befreit sie Mediziner von der zuvor immer konfliktreichen Beurteilung der Überlebenschancen schwerkranker Menschen.

Der Autor

Burkhard Riedel, geboren 1956 in Lübeck, hat sein Studium der Sozialwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München abgeschlossen. Für europäische Verlage war er als Medienentwickler und Chefredakteur tätig. Als Autor hat er u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Stern und SZ-Magazin gearbeitet. Selbstbefreiung und Selbstbestimmung sind Burkhard Riedels Lebensthemen – auch in seinen Büchern Lebe deinen Traum (1997), Neu denken – neu leben (2009) und Reicher leben mit weniger Geld (2011). Zu den Themen seiner Bücher wurde er für viele Printmedien interviewt und war Gast bei kontroversen Diskussionen u.a. im Deutschlandradio, ZDF, Hessischen Rundfunk, Sat.1 und Antenne Bayern. DES LEBENS WERT (2026) ist sein persönlichstes und offenstes Buch. Burkhard Riedel lebt in der Nähe von München.

In den Medien

Riedel weiß, worüber er schreibt. Er lebt sein Thema selbst.
Deutschlandradio zu Lebe deinen Traum

Danke fürs Mutmachen, Burkhard Riedel!
Antenne Bayern zu Neu denken – neu leben

Das Thema der kreativen Lebenskünstler hat Riedel nicht mehr losgelassen.
Süddeutsche Zeitung zu Neu denken – neu leben

Wirklich ganz neue Perspektiven, über die wir hoffentlich noch länger nachdenken werden. Danke für die Inspiration!
Susanne Conrad (ZDF) zu Lebe deinen Traum